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Monster
Verlag: Ehapa Comic Collection
Autor/Zeichner: Naoki Urasawa
ISBN: 978-3898856805
Umfang: 203 Seiten
Ärzte haben von jeher einen ganz anderen Stresspegel als ein Großteil der restlichen Weltbevölkerung. Kaum zu glauben, dass sich der in Düsseldorf stationierte Doktor Kenzo Tenma absolut nichts von dem Druck anmerken lässt. Auf dem Gebiet der Hirnchirugie kann ihm keiner seiner Kollegen das Wasser reichen, doch fehlt es ihm dafür ein wenig an Selbstbewusstsein. So lässt sich Tenma vom Leiter der Klinik dazu breitschlagen, eine wissenschaftliche Arbeit unter dessen Namen zu schreiben, seine Verlobte (und Tochter des Klinikleiters) ist nur mit ihm liiert, weil sie den Status genießt und auch ansonsten kann sich Tenma nur schwer gegen das übrige Personal durchsetzen.
Eines Tages wird er dazu gezwungen, eine Operation abzubrechen, weil er stattdessen das Leben einer bekannten Persönlichkeit retten soll. Die Klinik bekommt nach der erfolgreichen Prozedur zwar jede Menge Aufmerksamkeit in den Medien, doch Tenma wird von einem schlechten Gewissen verfolgt, weil sein erster Patient durch die Änderung im OP-Plan gestorben ist. Als er sich kurz darauf wieder zwischen zwei Operationen entscheiden muss, beschließt Tenma eigenmächtig, das Leben eines Jungen zu retten, dessen Familie kurz zuvor ermordet wurde. Der andere Patient – der Bürgermeister von Düsseldorf – überlebt nicht und Tenma wird wegen der schlechten Publicity von seinem Chef und dessen Tochter fallen gelassen. Kurze Zeit später werden die Leichen von drei vergifteten Ärzten gefunden und das leere Krankenbett des operierten Jungen aufgefu
nden. Und alles sieht danach aus als wenn Tenma seine unmittelbaren Konkurrenten ausschalten wollte…
Neun Jahre später ist Tenma zwar immer noch ein erfolgreicher Arzt, doch bis auf diesen einen Punkt hat der Chirurg nichts zu lachen. Und auf einmal ist alles wieder da: Der Inspektor, der ihn damals zum Hauptverdächtigen erklärt hat, interessiert sich auf einmal wieder für den Arzt, die ehemalige Verlobte kriecht zurück und eine Mordserie inklusive dazugehörigem Komplott nimmt ihren Anfang, an dessen Spitze kein anderer zu stehen scheint als der Junge, dem Tenma das Leben gerettet hat…
Manga der gehobenen Art
Der Anfang von „Monster“ klingt konstruiert? Das stimmt durchaus, aber was danach folgt ist außerordentlich lesenswert. Naoki Urawasas Durchbruch, dem mittlerweile zu Klassiker aufgestiegene Serien wie „20th Century Boys“ und „Pluto“ folgten, lebt genauso wie die Nachfolger von den sehr gut ausgearbeiteten Figuren. Alle Handlungsmotive sind durchaus nachvollziehbar, es bleiben aber noch genug Momente, in denen nicht gesprochen wird und Urasawa allein durch Körpersprache zeigt, was in seinen Figuren vorgeht.
Verpackt wird die interessante Figurenkonstellation in einen dichten, atmosphärischen Plot, der nicht nur mit psychologischen Kniffen und Krimi-Elementen aufwartet, sondern sich ebenfalls als Katz-und-Maus-Spiel quer durch Europa abspielt. Bei den Zeichnungen von bekannten Landstrichen vieler weltbekannter Städte hat Urasawa aufwendige Recherchen betrieben. Ob es sich nun um die Ludwig-Maximilians-Universität in München oder das Klinikum in Heidelberg handelt, vor allem die Hintergrundzeichnungen strotzen vor Details. So ganz kann Urasawa seine japanische Zeichenkunst jedoch nicht verleugnen: Auch wenn „Monster“ in Deutschland spielt, so erinnern viele Figuren optisch eher an normal angezogene Manga-Figuren, die deutsche Namen haben. Macht aber nichts, das insgesamt 18 Bände umfassende „Monster“-Epos bleibt bis zur letzten Seite ein fesselnder Trip – auch für Leute, die sonst nichts mit asiatischen Comics anfangen können. Übertriebene, hyperaktive und zaubernde Kulleraugen gibt es hier nämlich nicht.






