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Robin Hood
Verleih: Universal
Land / Jahr: USA / UK
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Russell Crowe, Cate Blanchett, Mark Strong
FSK: Ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 140 Min.
Genre: Abenteuer
Es ist nicht so, dass es zu wenige Robin-Hood-Filme gibt. Als Zuschauer war man sich eigentlich sicher alles über den „Rächer der Enterbten“ zu wissen. Geht es nach Regisseur Ridley Scott soll es in seiner Version ehrlicher, dreckiger und realistischer zu gehen.
Geschichtsstunde made in Hollywood
Robin (Russell Crowe) ist diesmal nur ein gewöhnlicher Bogenschütze; König Richard Löwenherz ein Säufer, der von einem Koch erschossen wird und das englische Heer ein Haufen desillusionierter Schläger. Irgendwann hat Robin keine Lust mehr auf das Gemetzel und macht sich mit ein paar Freunden auf den Heimweg. Dabei gibt er sich als Robert Loxley aus, lernt dessen Witwe Marian (Cate Blanchett) kennen und muss erleben, wie der gierige König John und dessen hinterhältiger Kumpan Godfrey (Mark Strong) das Land herunterwirtschaften.
Doch es kommt noch schlimmer: Godfrey entpuppt sich als französischer Spion und wiegelt das Volk gegen den König auf. Kurz bevor es zum Bürgerkrieg kommt, landet die französische Invasionsflotte an der Küste Englands und Robin entpuppt sich als aufrechter Nationalheld. Ein paar Intrigen später muss er trotzdem seine Koffer packen und zieht dorthin, wo wir unseren Robin schon immer haben wollten: In den Sherwood Forest.
„Gladiator“ trifft „Braveheart“
Dieses Ende ist dann auch das Originellste am ganzen Film: Wenn die Geschichtsstunde vorbei ist, fängt die Legende an – „Robin Begins“. Bis dahin ist Scotts Film über weite Strecken eine Mischung aus „Gladiator“ und „Braveheart“. Der Held ist gebrochen, aber aufrichtig und die Feinde sind allesamt hinterhältige Intriganten.
Russell Crowe gibt den besonnenen, aber schlagkräftigen Freiheitskämpfer, Cate Blanchett hat als „Marian“ deutlich mehr zu sagen als ihre Vorgängerinnen und Mark Strong als „Godfrey“ etabliert sich nach „Sherlock Holmes“ und „Kick-Ass“ als Hollywoods coolster Bösewicht. Das restliche Personal einer üblichen Robin-Hood-Verfilmung wird an den Rand gedrängt, egal ob Little John oder Bruder Tuck – nett, aber austauschbar. Sogar der Sheriff von Nottingham ist nur einer von vielen.
Dienst nach Vorschrift
Wie immer bei Scott ist die Ausstattung gelungen und zumindest da hält der Regisseur Wort: Einen dreckigeren „Robin Hood“ gab es noch nie. Bei seinem selbstauferlegten Zwang zum Naturalismus hat der Regisseur aber sein Talent für ausgefallene Bilder vergessen. Bis auf ein paar Belagerungsszenen gibt es nur wenig Spektakuläres zu bestaunen und so ist von dem angeblichen Budget von über 200 Millionen Dollar nichts zu sehen. Ein bisschen Zeitlupe und ein wenig Zeitraffer – Scott zieht routiniert gängige Action-Register ohne dass man als Zuschauer den Enthusiasmus des Filmemachers spürt.
Richtig ärgerlich wird es aber, wenn der Film in der zweiten Hälfte endgültig zum kitschigen Erweckungsdrama wird und sich der erdige Robin zum Polit-Reformer und Befreier der Massen wandelt. Während sich Russell Crowe auf dem Selbstfindungstrip befindet, dehnen sich die Filmminuten und selbst das spektakuläre Finale an der Küste kann daran nichts ändern. Dann weht sogar eine Brise „Der Soldat James Ryan“ durch den Film, als die französischen Truppen landen. Doch dieser D-Day im Mittelalter kann nichts daran ändern: Für Scott war es offensichtlich nur ein gut bezahlter Routinejob. Schade eigentlich.






