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Last Action Heroes: Eine Hommage an die „Äktschn“-Helden der Achtziger
Ob früher alles besser war, darüber lässt sich streiten. Auf jeden Fall war früher alles einfacher. Zumindest, was Actionfilme angeht. Es gab in den Achtziger-Kloppern ein paar Dinge, auf die man sich verlassen konnte: Der rote Draht war immer der falsche. Alle Cops ernährten sich ausschließlich von Donuts. Frauen verfielen bei Schlägereien in Angststarre und konnten nur tatenlos zuschauen, wie der Held vermöbelt wird. Autos explodierten bei jeder kleinsten Schramme. Zeitbomben tickten trotz Digitalanzeige. Und last not least: Das Gute gewann letzten Happy Endes.
Nur Banausen werfen dem Actionkino der Achtziger minimalistische Handlungsstränge vor. Wozu braucht man eine Handlung, wenn die Welt so einfach ist wie eines von Grimms Märchen: Die Guten waren gut, die Bösen waren böse und schwarzgekleidet.
Bruce Willis und du willst es doch auch!
Ein guter Actionfilm kam damals mit zwei Sätzen aus: „Das ist doch nur ein Kratzer“ und „Es ist so verdächtig ruhig hier.“ In der Zeit, in der zwei Tarantino-Figuren sich über Hamburger unterhalten, haben Stallone, Schwarzenegger, Willis und Co seinerzeit ganze Hochhäuser von terroristischem Abschaum bereinigt oder wahlweise die ganze Welt von einem größenwahnsinnigen Diktator befreit!
Die wichtigste Zutat für den Actionfilm der Achtziger aber waren die Protagonisten. Unkaputtbare Ein-Mann-Armeen, die den Ehrentitel „Held“ verdient trugen. Es war die goldene Ära der Last Action Heros. Ihr Job: die Welt retten. Jeden gottverdammten Tag.
Sylvester Stallone
Bester Satz: „Du bist eine Krankheit – und ich die Medizin.“ (aus dem Film „City-Cobra“)
Dass ihre Muskulatur ausgeprägter war als ihr schauspielerisches Talent lässt sich über nahezu alle Actionhelden der Achtziger sagen. Sly Stallone aber hatte als einziger eine gute Ausrede für seine eingefrorene Mimik: Eine Muskellähmung im Gesicht, wegen der ihm Schauspiellehrer von diesem Beruf abrieten. Gut, dass er nicht auf diese Ignoranten gehört hat, sondern sich im wahrsten Sinne des Wortes durchgeboxt hat. Das Boxerdrama Rocky wurde zum Überraschungserfolg an den Kinokassen. Seine andere Blockbusterserie Rambo setzte Stallone 2008 zur Begeisterung seiner Oldschool-Fans fort.
Chuck Norris
Bester Satz: „Spuck es aus oder ich geb dir so viele linke Haken, dass du um einen rechten bettelst." (in „Invasion U.S.A“)
Diese Ikone des Krawumm-Kinos wurde zur Witzfigur. Allerdings im bestmöglichen Sinne! Kein anderer Achtziger Jahre-Held stand derart kompromisslos für männliche Härte wie der Hauptdarsteller von „Walker, Texas Ranger“, „Missing In Action“ und „Cusak, der Schweigsame“. Deshalb entstand mit den „Chuck Norris Facts“ eine eigene Witzgattung als Hommage an den grimmigen Kampfkünstler und Mimen. Einer dieser augenzwinkernden Sprüche bringt es auf den Punkt: Das Universum dehnt sich nicht aus - es läuft vor Chuck Norris davon.
Jean-Claude van Damme
Bester Satz: „Krawumms!“ (in all seinen Filmen)
Gut, dass der Belgier sich für ein Pseudonym entschied. In der Zeit, die man braucht, um seinen vollen Namen auszusprechen – nämlich Jean-Claude Francois Camille van Varenberg – fegte der Schwarzgurtträger ganze Straßenzeilen leer, die gerade noch von den finstersten Fieslingen der Unterwelt bevölkert waren. Was seine spärlichen Textzeilen an Wortakrobatik vermissen ließen, machte er durch vollendete Kampfkunst wett. Wozu braucht man Dialoge, wenn Körpersprache die einzige Sprache ist, die Schurken verstehen?
Böse Zungen behaupten, mit dem Vornamen hätte er auch Karriere als Ballett-Tänzer machen können. Und sie haben Recht: Neben Karate und Bodybuilding erhielt der junge Jean-Claude auch eine Ballett-Ausbildung, bevor er sich ganz auf den Job als Knochenbrecher in Filmen wie „Karate Tiger“ und „Bloodsport“ konzentrierte.
Dolph Lundgren
Bester Satz: „Grroahrrr!“ (in „Rocky IV“)
Alter Schwede! Der 1957 in Stockholm als Hans Lundgren geborene Hüne lehrte selbst Silvester Stallone das Fürchten: Dieser musste nach einer Fight-Szene in „Rocky IV“ in die Notaufnahme, weil Lundgren dank seiner Judo- und Karate-Ausbildung eindrucksvoll demonstrierte, in welchem Aspekt Actionfilme der Achtziger den heutigen Kloppern haushoch überlegen waren: Statt CGI und Stuntmen einzusetzen, ließen sich die martialischen Muskelprotze seinerzeit noch selbst verprügeln. Filme wie „Red Scorpion“, „Universal Soldier“ und „Masters Of The Universe“ machten ihn zur blonden Antwort auf die Dominanz der dunkelhaarigen Prügelknaben. Und er hatte schlagkräftige Argumente…
Bruce Willis
Bester Satz: „Yippeahee, Schweinebacke!“ (aus dem Film „Stirb Langsam“)
Der in Idar-Oberstein als Sohn einer Deutschen und eines amerikanischen Soldaten geborene Walter Bruce Willis ist der einzige in dieser bunten Riege, der heute noch kommerziell so erfolgreich ist wie damals. Das liegt möglicherweise daran, dass er das von schweigsamer Haudrauf-Mentalität geprägte Genre mit Filmen wie „Stirb Langsam“ um Humor und Ironie erweiterte. Witzig sein konnte er davor schließlich lang genug in der Detektivserie „Das Model und der Schnüffler“ üben. Dass seine Haarpracht von Film zu Film lichter wurde, tat seinem Charme keinen Abbruch. Im Gegenteil: Schließlich ist allgemein bekannt, dass Haarausfall eine Folge der Überempfindlichkeit der Haarwurzeln auf eine Überdosis des Männlichkeitshormons Testosteron ist…
Arnold Schwarzenegger
Bester Satz: „I’ll be back!“ („Terminator“)
Der erfolgreichste Import aus Österreich seit Falco und Red Bull. Ein wahrhaftes Ausnahmetalent: All seine Kollegen waren Actionhelden, der erfolgreichste Bodybuilder aller Zeiten aber ist der einzige „Äktschn-Held“. Tatsächlich war sein hartnäckiger Dialekt den Studiobossen zu Beginn seiner Karriere ein derartiger Dorn im Auge, dass Arnold Alois Schwarzenegger synchronisiert wurde. Später wurde seine steiermärkische Aussprache zum Markenzeichen, ebenso wie die Reglosigkeit seiner Gesichtsmuskeln, die er durch agile Bewegungen der restlichen Körperteile kaschierte.
Dass er ein Überflieger ist, wurde angesichts seiner rasanten Filmkarriere schnell deutlich. Dass er aber eines Tages Gouverneur von Kalifornien würde, hätten ihm aber damals nicht mal seine glühendsten Verehrer zugetraut.
Wesley Snipes
Bester Satz: „Ich habe die Nase voll davon, dich immer wieder kleinhacken zu müssen.“ („Blade“)
Der in den Bronx geborene Snipes hat im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen wenigstens etwas Anständiges gelernt: An der „High School for the Performing Arts“ belegte er die Fächer Tanz, Gesang und Schauspielerei und studierte danach Theaterschauspiel. Seinen ersten größeren Auftritt kennen Musikfans besser als Cineasten: Snipes spielte einen Gangleader im Michael Jackson-Video Bad. In Filmen wie „Passagier 57“ gab er dann selbst den großen Zampano. Gegen den professionellen Kampfsportler Wesley Snipes in seiner Paraderolle als „Blade“ wirken die Twilight-Vampire von Heute wie blutleere Weicheier.
Steven Seagal
Bester Satz: „Ich bin nur der Koch.“ (in „Alarmstufe Rot“)
Die Sprechrollen des Amerikaners mögen so wenig überzeugen wie talentfreie Kleindarsteller in Fernsehgerichtsshows, doch seine Kampfkunst war hundertprozentig authentisch. Schließlich lernte Seagal bei den Profis: In Japan lehrte er in den frühen Siebziger Jahren Englisch und bekam im Gegenzug Karate, Zen, Aikido, Kendo und Judo beigebracht. Eine bessere Ausbildung kann ein Martial Arts-Schauspieler nicht genießen. Dennoch floppten seine Filme immer öfter und für sein Regiedebüt bekam er statt des Oscars die Goldene Himbeere als Schlechtester Regisseur. Seagals Karriere endete tragisch: als Direct-to-DVD-Schauspieler.





