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Alpha Protocol
Publisher: Sega
Plattform: PC / PS3 / Xbox 360
Genre: Action-RPG
USK: Ab 16 Jahren
„Mass Effect“ mit Geheimagenten. So lässt sich „Alpha Protocol“ am Besten beschreiben. Doch kann das Action-RPG mit seinem großen Vorbild mithalten?
Michael Thorton ist der neueste Rekrut bei Alpha Protocol, einer geheimen US-Organisation, die sich auf verdeckte Operationen spezialisiert hat. Schon kurz nach dem „Einstellungsgespräch“ wird der Spieler, alias Thorton, sprichwörtlich in die Wüste geschickt, um die Drahtzieher eines Terror-Anschlags ausfindig zu machen.
Genau wie seine Kollegen Sam Fisher oder Solid Snake, bewegt sich Thorton vorzugsweise im Schatten und infiltriert gegnerische Basen ohne deren Personal von seiner Anwesenheit in Kenntnis zu setzen. Anders jedoch als in „Splinter Cell“ oder „Metal Gear Solid“, führt in „Alpha Protocol“ auch eine etwas offensivere Herangehensweise zum Erfolg. Sprich: Auch mit gezücktem Maschinengewehr wird man seinen Widersachern problemlos Herr.
Spione wie wir
„Alpha Protocol“ mutet auf den ersten Blick wie ein klassischer 3rd-Person-Shooter an. Thorton kann hinter allen möglichen Objekten Schutz suchen und nimmt seine Gegner aus der Deckung auf´s Korn. Er wechselt auf Knopfdruck die Waffen und wird von einem regenerativen Schild geschützt. Erst wenn dieses verbraucht ist, wirken sich Treffer auf die Lebensenergie des Agenten aus. Dass es sich hier jedoch um ein Rollenspiel handelt, wird neben dem obligatorischen Aufleveln des Charakters mittels Erfahrungspunkten vor allem im Storytelling deutlich. Im Gegensatz zu Bioware-Spielen, die bei Konversationen diverse Antwortsätze parat halten, wählt der Spieler in „Alpha Protocol“ eine „Haltung“.
Innerhalb eines kurzen Zeitlimits hat man die Wahl, ob man seinem Gegenüber beispielsweise professionell, sarkastisch oder bedrohlich begegnet. Dies wirkt sich deutlich auf den Verlauf der Geschichte aus, denn jeder Gesprächspartner reagiert anders auf Thortons Wortwahl. So kann man neue Freunde oder Partner gewinnen, oder sich einen weiteren Todfeind schaffen. Wer sich mit zwielichtigen Waffenhändlern gut stellt, kann in der kommenden Missionen zwar mit mehr Feuerkraft antreten, zieht sich aber gleichzeitig die Verachtung seiner Kollegen zu.
Mission: Impossible
Neben mehr oder weniger viel Geballer während der Missionen, sorgen vor allem die unterschiedlichen Minispiele zum Hacken von Computern, Öffnen von Safes und Umgehen von elektronischen Türschlössern für Spannung – leider nicht im positiven Sinn. Denn die meisten dieser Geschicklichkeits- und Knobelaufgaben sind in Kombination mit dem knappen Zeitlimit derart unübersichtlich und hektisch ausgefallen, dass man seinen Frust gerne an den heranstürmenden Wachen auslässt – schließlich wurde nach dem x-ten Fehlversuch mal wieder Großalarm ausgelöst.
Dummerweise gestaltet sich die Beseitigung der bösen Buben ähnlich hakelig. Die schwammige Steuerung und das ungenaue Deckungssystem erwecken zusammen mit der dümmlichen Gegner-KI nicht gerade die Illusion, eine bestens ausgebildete Ein-Mann-Armee ins Gefecht zu schicken. Auch optisch vermag „Alpha Protocol“ nicht zu überzeugen. Langweilige Charaktermodelle bewegen sich vor langweiligen Kulissen, die zudem mit häufigen Texturnachladern zu kämpfen haben. Die (englische) Synchro geht soweit in Ordnung, musikalisch wird der typische Agenten-Einheitsbrei geboten.
Burn Notice
„Alpha Protocol“ will viel, kann aber nur wenig. Trotz stereotyper Charaktere en masse ist immerhin die Geschichte einigermaßen spannend und hängt vom Verlauf tatsächlich von Entscheidungen des Spielers ab. Die Möglichkeit, aus Thorton einen ständig flirtenden Schleicher oder einen aggressiven Waffennarr zu machen, ist überzeugend umgesetzt und verleiht „Alpha Protocol“ einen gewissen Reiz. Leider wird dieser gute Ansatz von den oben genannten Defiziten während der eigentlichen Missionen wieder zunichte gemacht. Das Potential für ein großartiges Spiel ist zweifelsohne vorhanden. Ein paar Monate mehr Entwicklungszeit hätten vermutlich Wunder gewirkt. In seiner jetzigen Form ist „Alpha Protocol“ zwar kein schlechtes Spiel, bleibt aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.






