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Silent Hunter 5: Battle Of The Atlantic
Publisher: Ubisoft
System: PC
Genre: Simulation
USK: Ab 12 Jahren
„Vorne oben Zehn…hinten oben zwo, E-Maschine halbe Fahrt voraus“! Lange ist es her, seit Hobby-„Kaleuns“(Marinedeutsch für Kapitänleutnant) diese Befehle virtuell erteilen konnten. Die für Simulations-Verhältnisse durchaus sehr erfolgreiche „Silent-Hunter“-Reihe sieht seiner fünften Inkarnation entgegen. Und nach dem kleinen Ausflug in den Pazifik („Silent Hunter 4“) verschlägt es virtuelle Seebären nun erneut in den rauen Nordatlantik, wo sie alliierten Konvoys auflauern und vor feindlichen Zerstörern auf Schleichfahrt gehen können...sollten.
Die Grauen Wölfe
Mit „Silent Hunter 5: Battle Of The Atlantic“ wagen die Entwickler von Ubisoft Rumänien eine Art Neuanfang. Sie wollen weg vom bewährten – aber auch etwas angestaubten – Spielprinzip, dass allen U-Boot-Simulationen seit Urvater „Silent Service“ gemeinsam war: per Schnelltasten erreichbare Stationen des U-Boots werden simuliert, wobei der Spieler den Part der gesamten Crew übernehmen musste, vom Steuermann bis zum Funker.
Bei „Silent Hunter 5: Battle Of The Atlantic“ schlüpft der Spieler in die Rolle des Kommandanten, der sich in schönster FPS-Manier völlig frei im Boot (und an Deck) bewegen kann. Das Innenleben des U-Boots vom Typ VII ist denn auch minutiös Nachgebildet worden. Wer Wolfgang Petersens „Das Boot“ gesehen hat, findet sich sofort zurecht. Auch das Benutzer-Interface wurde Generalüberholt: so springt man nicht mehr per „F“-Tasten von Station zu Station, sondern muss sich höchst persönlich – und zu Fuß – dort hinbegeben, um dann entweder mit dem verantwortlichen Crewmitglied zu interagieren, oder die Station selbst zu besetzen.
„Na Männer, alles klar?“
Stichwort „Interaktion“: Damit die Schipperei nicht zur langweiligen Kreuzfahrt verkommt, haben die Entwickler eine Art „Rollenspiel light“ eingebaut. Als Kapitän muss man sich nun auch um die Gemütslage seiner Schäfchen kümmern, was man in Form von Gesprächen tun kann. Und wenn alle Stricke reißen? Einfach den Schmutt anweisen, eine Sonderration zu kochen, was die Moral der Besatzung wieder beträchtlich hebt. Des Weiteren vergibt man über Bonuspunkte, die man sich im Laufe des Spiels erwirbt, spezielle Fertigkeiten an die Besatzung, um diese noch Leistungsfähiger zu machen. Sofern man also nicht vorzeitig absäuft, kann man sich so nach und nach eine Top-Crew zusammenbasteln, die dem Tommy dann ordentlich zeigt, wo der Bartels den Most holt.
Dienst nach Vorschrift
Ansonsten spielt sich die U-Boot-Simulation ähnlich wie schon die Vorgänger „Silent Hunter 3“ und „Silent Hunter 4“: das Oberkommando (hier: der berühmt-berüchtigte „BdU“ – Befehlshaber der U-Boote Admiral Dönitz) weißt ein Zielgebiet zu, dass es dann abzuklappern gilt, wobei so viel feindlicher Schiffsraum wie möglich „unter die Back geschoben“ werden soll (ja, ich habe vor dem Schreiben dieser Rezession „Das Boot“ gelesen). Hinzugekommen ist im fünften Teil noch „das große Ganze“ in Form einer dynamischen Kampagne, die den Seekrieg von 1939 bis 1943 in verschiedene Etappen einteilt, und den Spieler über der strategischen Zielsetzung informiert und den Fortschritt insgesamt darstellt.
Zu früher Stapellauf
Leider, leider ist alle Theorie grau: denn das ambitionierte Spiel leckt an allen Ecken und Enden – sowohl technisch als auch spielerisch. Zum einen wird es von unzähligen kleinen wie ordentlich großen Bugs geplagt, deren Aufzählung locker den Rahmen dieser Rezension sprengen würde. Kleinigkeiten wie eine Brückenbesatzung mit anscheinend sehr langem Atem, die sich konsequent weigert, beim Abtauchen ins Boot zu klettern, ließen sich ja noch verschmerzen. Aber grottendumme KI (auf beiden Seiten) oder Moralpunkte der Besatzung, die nach dem Laden eines Spielstandes einfach verschwunden sind, lassen den Spielspaß so tief absinken wie ein Typ VII-Boot tauchen kann. Dazu kommen noch fehlende Features wie beispielsweise der nicht vorhandene Schiffskompass!
Zum Glück gibt es eine aktive Modding-Community, die schon innerhalb weniger Stunden nach Erscheinen des Games die ersten Verbesserungen parat hatten. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Ubisoft das Spiel gefühlte sechs Monate zu früh auf Feindfahrt geschickt hat. Es ist einfach eine Ausgeburt an Schludrigkeit. Sogar die in der Collector’s Edition mitgelieferte Seekarte weißt Druckfehler auf. Das Handbuch selbst ist Fehlerhaft, beschreibt Menüpunkte, die im Spiel gar nicht vorkommen, und wirft mehr Fragen auf als es klärt. Selbst hartgesottene Genre-Veteranen werden sich am Anfang schwer tun, in das Spiel zu finden.
Auch das Gameplay selbst ist auf den zweiten Blick leider ziemlich nervig. Was zunächst ganz spaßig wirkt – dass man sich selbst zu allen wichtigen Stationen im Spiel bewegen muss – geht einem mit der Zeit allerdings auch ziemlich auf den Keks. Wenn man zum zwanzigsten Mal zwischen Periskop und Torpedoraum hin-und her gerannt ist, dann reicht es einem irgendwann. Selbst in der alten Kriegsmarine gab es die Möglichkeit, Befehle zu erteilen, ohne zur jeweiligen Station laufen zu müssen. Gerade der Kommandant delegiert die meisten Aufgaben an seine Crew. Stattdessen wird er bei „Silent Hunter 5: Battle Of The Atlantic“ zum Mädchen für alles. Allerdings gibt es auch hier schon Mods, die das bewährte User-Interface des Vorgängertitels implementieren.
Wassereinbruch!
Und als ob das alles nicht schon genug wäre, sah sich Ubisoft genötigt, einen - mit Verlaub – äußerst dämlichen „Kopierschutz“ mitzuliefern, der am ersten Wochenende nach dem Release auch schon für gehörigen Ärger sorgte. Denn Ubisofts neues DRM mit dem schönen Namen „UPlay“ verlangt vom Spieler eine kontinuierliche Internetverbindung. Ubisoft gewährleistet denn auch „24 Stunden“ Server-Support. In der Theorie bestimmt toll, versagt es doch in der Praxis kläglich. Denn vom 7. bis 9. März kam es immer wieder zu totalausfällen bei Ubisofts DRM-Servern, so dass unzählige ehrliche Kunden ihr Spiel nicht starten konnten.
Wobei, glaubt man Beiträgen in einschlägigen Foren, die Software-Piraten – die ja mit diesem drakonischen DRM auf den Grund des Meeres geschickt werden sollten – mit Hilfe eines Cracks und simplen Codegebastel im Editor munter drauf los zocken konnten, ohne auch nur einen Cent an Ubisoft gezahlt zu haben. Auch wenn es sich allem Anschein nach um eine gezielte Hacker-Attacke gehandelt hat, zeigt diese doch deutlich, wie Verwundbar die von Ubisoft gewählte Form des DRM ist. Bitte, Ubisoft, habt ein Einsehen und verzichtet auf diesen Unfug. Eure Kunden werden es Euch danken.
Silberstreif am Horizont
Trotz der vielen Bugs und des unsäglichen Kopierschutzes steckt ein potenziell gutes Spiel in „Silent Hunter 5: Battle Of The Atlantic“. Die Grafik ist atemberaubend, die Atmosphäre stimmt auch. Sofern Ubisoft den Support aufrecht erhält und ein paar Patches nachschiebt, um zumindest die Bugs zu beheben, hat der Käufer ein ordentliches Spiel auf der Festplatte. Die aktive und talentierte Community wird definitiv die nötigen Mods beisteuern, um das volle Potential auszuschöpfen, so dass „Silent Hunter 5: Battle Of The Atlantic“ genauso erfolgreich wird wie schon seine Vorgänger: Bei „Silent Hunter 3“ war es der „Grey Wolves Expansion-Mod“ der dafür sorgte, dass das Game heute noch auf vielen Rechnern zu Hause ist, beim vierten Teil hieß das Ding „Trigger Maru“.
Leider ist im Moment ist der Kauf von „Silent Hunter 5: Battle Of The Atlantic“ nur denjenigen zu Empfehlen, die genug Geduld aufbringen können und wollen, sich sowohl mit den Bugs als auch mit Ubisofts „UPlay“ herumzuschlagen. Das Spiel wurde bereits auf die Version 1.1 gepatcht, und weitere Verbesserungen stehen zu erwarten. Die Modding Community (zu finden bei subsim.com) ist schon sehr aktiv, und in ein paar Monaten dürfte das Spiel anders aussehen.






